Juni 30, 2010
Die Vorrunde und die Achtelfinals der Weltmeisterschaft 2010 auf dem afrikanischen Kontinent – im winterlichen Südafrika – ist vorbei. Und leider war der Entertainment-Faktor der Spiele sehr begrenzt.
Neben den nervenden Vuvuzelas hat vor allem eine Sache den Spass getrübt: Der schlechte, bzw. der wenig spektakuläre, Fussball!
Die gesamte Vorrunde war nur dadurch wirklich amüsant geworden, dass Italien und Frankreich nach ihren mieserablen Auftritten nach Hause fahren mussten. Von den vielen Favoriten konnte kaum eine Mannschaft wirklich überzeugen. Brasilien, Spanien, Argentinien – und mittlerweile auch Deutschland – die vier Favoriten nach dem Ausscheiden von einigen anderen selbsternannten Favoriten: Sie sind jeweils relativ souverän weitergekommen, aber selbst gegen kleinere Mannschaften keine wirklichen Highlights geliefert.
Deutschland überzeugt – Wird das zum Verhängnis?
Fast scheint es so als würde nur Deutschland überzeugen – und schon treibt sich die Angst wieder um: In Schönheit sterben, und der Effektivität einer Mannschaft, wie Italien 2006, zum Opfer fallen. Vor allem Spanien und Argentinien haben durch Effektivität und Abgeklärtheit geglänzt – und genau diese Mannschaften stehen, bzw. können stehen, der deutschen Nationalmannschaft auf dem Weg zum Finale noch im Weg.
Ein Rückstand gegen eines dieser Teams wird äusserst schwer aufzuholen, die taktische Disziplin der internationalen Stars dieser Teams ist mittlerweile fast legendär.
Und wenn es zum Finale kommt, dann wartet mit relativ hoher Wahrscheinlichkeit (sie müssen “nur” Holland schlagen, hier werden ein Snejder und ein Robben nicht genug sein) eine weitere Mannschaft, die den Samba eigentlich im Blut hat, aber derzeit vor allem durch taktische Leistung und Disziplin glänzt.
Darum könnte es für die wirklich gut und schön spielenden Deutschen schwierig werden – es sei denn die anderen Mannschaften besinnen sich zum schönen Fussball, und spielen diesen auch wirklich. Oder aber Deutschland schaltet “einen Gang zurück” und probiert es auch wieder mit defensivem und kontrolliertem Fussball. Vielleicht wäre die Zeit reif dafür, mit guten Defensivleuten wie Schweinsteiger, Khedira und Lahm, und vorne vor allem schnellen Konterspielern wie Müller und Özil.
Mai 20, 2010
Zwischen weltweiten Finanzbeben, vor allem einer tief erschütterten Euro-Zone, Abermillionen von Litern Öl im Mexikanischen Golf (ein persischer Teppich, der sich bald über den Strom in alle möglichen Richtungen verbreiten wird und Verpestungen ungeahnten Ausmasses nach sich ziehen wird), einer Aschewolke die Europas Luftfahrt lahmlegt, blutigen Aufständen in Thailand, maroden Kassen bei Bund, Ländern und Kommunen, gibt es derzeit ein Thema das die Deutschen wirklich beschäftigt:
Das üble Foul von Kevin Boateng, und die daraus resultierenden Folgen: eine schwere Verletzung beim Kapitän der deutschen Nationalmannschaft Michael Ballack, die ihn für 8 Wochen ausser Gefecht setzt, womit er die Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika verpassen wird.
Schlechte Chancen für die Nationalmannschaft bei der WM?
Was bedeutet das für die Chancen der Deutschen Nationalmannschaft bei der WM, nachdem auch schon der eigentlich als Nummer 1 gesetzte Torhüter René Adler ausfällt?
Ich vertete nicht ganz die Meinung, dass junge Spieler die Lücke schliessen können. Schweinsteiger ist im Prinzip kein “junger Spieler” mehr, ich hätte ihn eher als einen erfahrenen Profi eingeschätzt, also einen der Köpfe und Führungsspieler der Mannschaft, mit richtig viel internationaler Erfahrung und gewonnenen Titeln. Vor allem in seiner “neuen” Position im defensiven Mittelfeld eine wichtige Eigenschaft.
Aber es braucht eben mehr als nur einen oder ein paar ausgefbuffte Spieler.
Das wird sich nicht in Spielen gegen Ghana oder Australien äussern. Hier werden die jungen Spieler ihre Sache gut machen, und verdiente Siege einfahren. Aber gegen schlitzohrige, harte und erfahrene Mannschaften wie vielleicht schon Serbien, aber vor allem später Italien, wird es problematisch werden. Das hat das “Sommermärchen” 2006 relativ deutlich belegt, der fehlende Frings im Halbfinale gegen die Italos wird von vielen, nicht zu unrecht, als der ausschlaggebende Punkt für das Aus gesehen. Mit ihm wäre das Erreichen des Finals sicherlich wahrscheinlicher gewesen, zumindest das Elfmeterschiessen im Halbfinale.
Option Thorsten Frings – Keine Option für Jogi Löw
Leider wird Jogi Löw auch diesmal Thorsten Frings nicht nachnominieren. Die Jungen sollen es richten. Er wird auch Manuel Neuer ins Tor stehen, obwohl Wiese seit vielen Jahren jährlich im UEFA Cup und in der Champion’s League spielt.
Das garantiert uns ein paar schöne Spiele, und aufgrund der sicherlich vorhandenen Qualität im Kader wohl einen Einzug ins Viertelfinale (nach einem harten Match in der Vorrunde gegen Serbien, und einem knappen Achtelfinale).
Sobald allerdings ein Team wie Italien den Weg der Deutschen kreuzt, oder auch ein spielstarkes Team wie die Spanier, dann wird das vorwiegend junge Team entweder der Ausgebufftheit Tribut zollen müssen, oder sich der Spielstärke ergeben müssen.
So bleibt nus nur zu warten, bis die jetzt jungen Spieler endlich auch zu alten, erfahrenen Hasen werden.
Mai 5, 2010
Kontinuität statt Leistungsprinzip
Oft wird Vereinen oder auch Trainern ja fehlende Kontinuität vorgeworfen. Man fälle Entscheidungen zu schnell, ohne den alten Strukturen oder Akteuren wirklich langfristig eine Chance zu geben.
Hier ist Joachim Löw mit Sicherheit eine absolute Ausnahme. Kontinuierlich baut er auf “alte Helden” wie Lukas Podolski oder Miroslav Klose. Sogar ein Robert Huth oder ein Arne Friedrich, gerade seine Mannschaft als Kapitän in den überzeugenden Abstieg geführt, dürfen mit WM-Nominierungen rechnen.
Auch hält sich Joachim Löw kontinuierlich daran, genau auf des Volkes Stimme zu hören – und dann genau das Gegenteil zu tun. Statt einer Nominierung von Spielern die eine klasse solide Saison gespielt haben, wie Mats Hummels oder Benedikt Höwedes, rechnet man eher mit den beiden genannten Abwehrspielern (dass Huth überhaupt jemals im Aufgebot der Nationalmannschaft war, das war ja eher Klinsmann’s superhoher Meinung über den englischen Fussball geschuldet, statt irgendwelchen Leistungsfragen).